El Conde (2023)
Original-Titel: El CondeDracula kann einpacken: In Pablo Larraíns schwarz-weißer Netflix-Satire „El Conde“ wünscht sich ein Vampir den ewigen Tod.
Die Handlung von El Conde
Chile in einem Paralleluniversum: Augusto Pinochet aka El Conde (Jaime Vadell), eine DER Schlüsselfiguren des globalen Faschismus, haust dieser Tage als Vampir in einer verlassenen Ruine an der eisigen Südspitze des Kontinents. Dort stillt er seine finsteren Bedürfnisse - doch er tut dies nur, um zu überleben. Nach 250 Jahren des Vampirdaseines beschließt er jedoch, fortan auf Blut und damit auf sein ewiges Leben zu verzichten. Er erträgt es einfach nicht mehr, dass sich die Menschen an ihn nur als Dieb und Ganoven erinnern. Als er von seiner rückgratlosen Familie enttäuscht wird, die ihn schlichtweg nicht ohne den einen oder anderen letzten Bissen ins Jenseits ziehen lasse will, inspiriert ihn eine unerwartete Beziehung, sein konterrevolutionäres Leben letztlich doch noch voll auszukosten.
Kritik zu El Conde
Das Gespenst des Kommunismus war in Wahrheit... ein Vampir? Im Alter von 91 Jahren verstarb der chilenische Diktator Augusto Pinochet 2006 nach langer Schreckensherrschaft. 30 Jahre lang schwebte seine Präsenz wie ein finsterer, tödlicher Schatten über der südamerikanischen Nation, jetzt kann endlich abgerechnet werden! Mit „El Conde“ macht Regie-Künstler Pablo Larraín („Jackie: Die First Lady“, „Spencer“) den chilenischen Diktator fix mal zum alternden Vampir und stellt sich vor, was Pinochet heute wohl machen würde, wäre er 2006 nicht verstorben.
Dabei hat „El Conde“ alle Motive eines klassischen Universal-Monsterfilms, versteht sich aber als schwarzhumorige Satire mit Biss (und FSK-18-Wertung) und lässt Larraín gleichzeitig auch mal wieder seine arthousige Ader ausleben. Definitiv sein künstlerischster Film bisher.
Durch den kernigen Schwarz-Weiß-Look und den historischen Bezug ist „El Conde“ definitiv kein Zuckerschlecken für die breite Masse. 111 Minuten der zelebrierten Filmkunst schreibt uns Pablo Larraín hier einen Liebesbrief an alte Monsterfilme, kotzt sich schwarz-weiß-pink und hoch politisch über die chilenische Geschichte aus und nimmt dem gefürchteten Diktator mit absurder Satire und schrägen Dialogen jegliche Gefahr. Gleichzeitig solltet ihr aber ein wenig Vorwissen mitbringen, um die Tragweite von „El Conde“ komplett greifen zu können.
Lohnt sich, weil „El Conde“ quasi „5 Zimmer Küche Sarg“ im chilenischen Kommunismus ist. Der brutale Humor schwingt nicht gerade selten im Subtext mit, generell ist die Vampir-Satire eher für Fans von Arthouse-Werken geeignet.
