Im hohen Gras (2019)
Original-Titel: In the Tall GrassVincenzo Natali hat Stephen King studiert - und verstanden! Netflix' „Im hohen Gras“ begeistert als beengter Mystery-Schocker.
Die Handlung von Im hohen Gras
Nach der Novelle von Stephen King.
Es sollte ein gemütlicher Familienurlaub werden. Doch als die Geschwister Becky (Laysla De Oliveira) und Cal (Avery Whitted) am Straßenrand eine Pause einlegen und aus dem angrenzenden Feld verzweifelte Hilferufe eines kleinen Jungen hören, hätten sich die beiden ihren Heldenmut eventuell ein wenig besser überlegen sollen. Denn: Wer das Feld einmal betreten hat, findet nie wieder hinaus.
Während Becky und Cal noch verzweifelt versuchen, einen Weg aus diesem endlosen Labyrinth zu finden, werden die Geschwister bald von der Macht des Feldes getrennt. Abgeschnitten von der Außenwelt und nicht in der Lage, sich aus dem Griff dieser im Wind flüsternden Entität zu befreien, müssen die Geschwister wie auch die anderen Gefangenen des Feldes (u.a. Patrick Wilson) bald feststellen, dass sie nicht allein sind...
Kritik zu Im hohen Gras
Netflix und Novellen von Stephen King - das ist einfach ein Match made in Heaven. Oder Hell, passt thematisch vielleicht besser! Und trotzdem bin ich es gefühlt immer allein, der die King-Adaptionen des Streaming-Riesen zu schätzen weiß. Schon der herrlich garstige „1922“ mit Thomas Jane und Dylan Schmid wusste ganz genau, wie das King'sche Brain tickt. „Im hohen Gras“ - von Kritikern und Fans gleichermaßen massiv unterschätzt - basiert nun ebenfalls auf einer Novelle des Horror-Altmeisters.
Auch hier geht's für unsere Protagonisten ins US-amerikanische Hinterland, wo sie zu tragischen Marionetten einer antiken, außerweltlichen Macht werden. Und wieder spielt die Frucht des Feldes eine übergeordnete, metaphorische Rolle - war das bei Stephen King schon immer so?
Schon in den ersten Minuten wird klar, dass „Im hohen Gras“ nicht nur einfach richtig gut ist, sondern im Bereich des Confined-Space-Horrors kurz mal neue Maßstäbe setzt. Das Gefühl der Protagonisten um Laysla De Oliveira („Locke & Key“) und Patrick Wilson („Insidious: The Red Door“), dem niemals endenden Schrecken des titelgebenden hohen Grases ausgeliefert zu sein, springt listig auf den Zuschauer über. Ein brutal beklemmendes Gefühl, ohne Frage vergleichbar mit dem Ozean („Open Water“) oder einem Würfellabyrinth („Cube“).
Lohnt sich, weil „Im hohen Gras“ Stephen King in Reinkultur ist. Fantastische Hinterland-Ästhetik trifft hier auf beklemmenden Labyrinth-Horror, der seine Zuschauer nicht so schnell loslässt. Im wahrsten Sinne des Wortes.
