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29.11.2025, von Redaktion

Ballad of a Small Player: Gelingt die Hommage an klassische Casinofilme?

Es gibt in der Kinolandschaft einige bekannte Casino-Filme mit hochkarätiger Besetzung. Wir denken an Ocean's Eleven mit Brad Pitt, Casino mit Robert de Niro oder auch James Bond – Casino Royale, wobei hier das Glücksspiel nicht im Vordergrund stand.

Nun kam 2025 ein weiterer Film mit Casino-Schwerpunkt hinzu, mittlerweile läuft er bereits beim Streaming-Dienst Netflix.

„Ballad of a Small Player“ wurde deutsch-britisch produziert und basiert auf einem Roman von Lawrence Osborne. Seit Oktober 2025 lief der Streifen in den Kinos, seit Ende desselben Monats bereits bei Netflix.

Mit Colin Farrell ist auch diesmal kein Unbekannter Hauptakteur zu sehen, Tilda Swinton übernimmt die weibliche Hauptrolle und ist gleichsam bekannt. Aber wie gut kommt der Mystery-Thriller an? Dient er als Hommage an die bisherigen Casinofilme und schafft er es, das Publikum zu überzeugen? Erste Kritiken fallen gemischt aus, das Thema Casino ist aber heute so relevant wie damals.


Warum Casino als Filmthema die Menschen packt

Damals wie heute sind Filme rund um das Casino-Thema bei Menschen begehrt. Für viele Zuschauer ist der Blick in eine Spielbank „neu“ und aufregend, denn obwohl es in den meisten Ländern etablierte Casinos vor Ort gibt, haben viele Personen noch nie eine davon besucht. Der Trend bei den Spielern selbst geht zum Online-Casino. Hier gibt es sehr gute Casinos im Test und das Thema Mobilität überzeugt die Nutzer. Zwischen einem großen Casino in Las Vegas und einer Online-Spielbank gibt es allerdings immense Unterschiede und das zeigt sich im Film.

Es ist der Blick hinter die Kulissen, vom sicheren und bequemen Sofa. Hinzu kommt, dass die Handlungen der meisten Casinofilme nicht nur spannend, sondern auch emotional packend sind. Oft werden die Zuschauer mit einer Person konfrontiert, die entweder wie bei Ocean's Eleven den ganz großen Raub-Coup plant oder die selbst spielt und sich im Strudel der Sucht verliert. Die Spannung, wenn Kugeln im Roulette-Kessel rollen und der Dealer die Karten verteilt, überträgt sich auf den Zuschauer, ohne dass dieser Risiken eingeht.

Aber was kann „Ballad of a Small Player“? Packt es Colin Farrell das Publikum mitzureißen oder kann der Streifen von 2025 mit den großen Denkmälern der Casino-Filmgeschichte nicht mithalten?


Darum geht es bei „Ballad of a Small Player“

Colin Farrell spielt „Brendan Reilly“, einen früheren Beamten Großbritanniens, der sich selbst der Aristokratie zugeordnet hat. Er tritt als „Lord Doyle“ auf und hat sich nach mehreren Skandalen in seiner Heimat nach Macau verzogen. Sein Geld hat er gestohlen, sein Titel ist erfunden und doch vertreibt sich der „Lord“ seine Tage wie ein Adelsmann.

Sein Ziel ist es, beim Baccarat zu gewinnen und seinen endgültigen Ruin zu verzögern. Da der selbsternannte Lord immer zu einer seriösen Gesellschaft gehörte und gehobene Standards gewöhnt ist, lebt er in Luxushotels, zieht sich zurück und beginnt zu trinken. Sein Aberglaube bestimmt viele Teile seines Lebens, Erlösung sucht er im Glücksspiel.

Mit der festen Überzeugung des Gewinnens setzt „Doyle“ immer mehr Geld und weckt damit zunehmend das Misstrauen der Casinomitarbeiter. Obwohl er vor den Gefahren durch Kredithaie und Gläubiger gewarnt wird, gerät er immer stärker in den Sog des Glücksspiels. Gigantische Gewinne sorgen für euphorische Phasen, direkt flankiert durch immense Verluste.

Eines Abends ist er überzeugt davon, dass ihm das Glück genommen wurde. Er hat kaum mehr einen Dollar, leidet unter zunehmenden Angstzuständen und fühlt sich erschöpft. Er verkriecht sich in einem Hotel und alles ändert sich noch einmal.


Die weibliche Hauptrolle berührt nicht nur „Lord Doyle“

Mit „Dao Ming“ lernt der gebeutelte Spieler eine besondere Frau kennen. Sie spürt seine Scham, und seinen fragilen Charakter, kümmert sich um den am Ende wirkenden „Lord“ und hilft ihm gegen die Einsamkeit. „Doyle“ ist fasziniert und fühlt sich durch ihre Anwesenheit klarer und aufgehobener als je zuvor.

Es dauert nicht lang, und „Dao“ begleitet den am Abgrund stehenden Mann ins Casino. Sie unterstützt ihn dabei, maßvoller zu spielen und erzielt gemeinsam mit ihm Erfolge und Gewinne. Sein Selbstbewusstsein wächst, er fühlt sich geborgen und gerettet.

Doch lange kann der Hochstapler seinem inneren Impuls nicht widerstehen. Obwohl „Dao“ ihn immer wieder ermahnt, spielt er gegen ihren Rat aggressiv, impulsiv und verliert beinahe alles, was er sich aufgebaut hat. Gepeinigt von tiefer Scham verlässt er sein Luxushotel und irrt verwirrt durch die Straßen Englands, um Dao zu suchen. Er findet sie nicht und beginnt an seiner eigenen Wahrnehmung zu zweifeln. Gab es die mysteriöse Frau überhaupt? Was wird aus dem ehemalig erfolgreichen Beamten und welche Chance auf Erlösung hat er noch?


Kann „Ballad of a Small Player“ überzeugen?

Die Kritiken zum Film könnten nicht unterschiedlicher ausfallen. Das berühmte „Tomatometer“ bei Rotten Tomatoes schlägt mit 48 Prozent nur gering aus und auch das Popcornmeter ist mit 52 % nicht ganz überzeugt. Zuschauer loben die Darstellung Colin Farrells und die Art, wie er die Rolle verkörpert. Es wird von Schlüpfrigkeit, Dekadenz und Anmut gesprochen, andere wiederum bewerten den Film als inhaltsleer und langweilig.


Farrell ist kein unbekannter Schauspieler, in Filmen wie „Nicht auflegen“ fesselte er das Publikum in einer Art Kammerspiel atemlos an die Mattscheibe. Auch in „Ballad of a Small Player“ scheint er eine Schlüsselfigur für Zuschauer zu sein, denn die Authentizität der Rolle gelingt nur durch die exzellente Darstellung des Schauspielers.

In Filmforen kommentieren Nutzer ihre Begeisterung für seine realistische Spielweise. „Colin Farrell spielt nicht Lord Doyle, er ist Lord Doyle“ heißt es übersetzt, wo andere sich nur zu langweilen scheinen.

Immerhin erhielt der Film eine Nominierung zum besten Film für das „San Sebastián International Film Festival“, trotzdem liegt der Metascore auch bei imdb.com nur bei schwachen 46 Prozent.

Möglich, dass die Messlatte durch andere Filme einfach zu hoch gelegt wurde und es dem ein oder anderen Zuschauer an Action fehlt. Es braucht eine gewisse Sympathie für den Akteur, um sich in seine Rolle als „Lord Doyle“ reinversetzen zu können. Vielleicht erscheint der Lord aber, anders als einst „Danny Ocean“ ein wenig zu arrogant und überheblich, als das die Grundsympathie den Film mitträgt. Sehenswert für einen Filmabend ist der Titel aber durchaus, insbesondere für Zuschauer mit einer Vorliebe fürs Casino-Thema.


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